English  

Landwirtschaft/Agrarwissenschaften

Eingeschränkt auch gültig für: Forstwissenschaften, Wein- und Gartenbau, Rurale Entwicklung

Fach: Agrarwissenschaften/Landwirtschaft, Rurale Entwicklung
Fächergruppe/n: Agrar- und Forstwissenschaften

Lehrziele/Studienziele:

Ziel ist es, den Studierenden die theoretischen Grundlagen, empirischen Ergebnisse und Methoden der ruralen Frauen- und Geschlechterforschung und die bislang vorliegenden Ansätze einer feministischen Agrarwissenschaftsdebatte mit Bezug auf die allgemeinen Diskurse der Frauen- und Geschlechterforschung zu vermitteln. Die Studierenden sollen die Fähigkeit entwickeln, die Bedeutung der Kategorie Geschlecht in den einzelnen Fachgebieten ihres Studiums zu erkennen und die Fachinhalte diesbezüglich zu hinterfragen. AbsolventInnen des ‚Grünen Bereichs’ sollen in der Lage sein, Land-, Forst- und Agrarwirtschaft, Agrarpolitik und ländliche Gesellschaften, Agrargeschichte, Entwicklungs- und Transformationsprozesse ländlicher Räume und Politik, agrar-/forstwissenschaftliche bzw. land-/wein-/gartenbauliche Ausbildung und Forschungspraxis aus einer geschlechtersensiblen Perspektive wahrzunehmen und zu analysieren.

Lehrinhalte/fachspezifische Inhalte der Geschlechterforschung:

Zentrales Anliegen der ruralen Frauen- und Geschlechterstudien ist es, die Bedeutung der Kategorie Geschlecht für die ländliche Gesellschaft und den Agrarbereich herauszuarbeiten. Während in den Anfängen vor allem die Situation von Frauen in der Landwirtschaft fokussiert wurde, kamen im Anschluss an die Frauenbewegung der 1970er Jahre Untersuchungen zu Frauen anderer Milieus des ländlichen Raumes, Geschlechterbeziehungen und Machtverhältnisse sowie eine internationale Ausrichtung hinzu. Nach den Ländern des Südens rückten in den 1990ern die ehemaligen osteuropäischen Länder verstärkt ins Blickfeld. Arbeiten über Männer und Männlichkeit im ländlichen Kontext liegen bislang nur vereinzelt vor. Sporadisch finden sich kritische Beiträge (u. a. unter der Geschlechterperspektive) zu den herrschenden Paradigmen in Agrarwissenschaften und Agrar-/Entwicklungs-/Regionalpolitik. Neu hinzugekommen sind Identitätsfragen im Zusammenhang mit Stereotypisierungen und der Repräsentation von Geschlecht in Vorstellungen und Konzeptionen von Ländlichkeit.

Die Studieninhalte des ‚Grünen Bereichs’ beziehen sich sowohl auf natur- und technik- als auch auf wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Wissensgebiete. Sie weisen einen starken Praxisbezug auf und variieren in Abhängigkeit der sich stets wandelnden Stellung von Ernährung, Landwirtschaft und Umwelt in der Gesellschaft. Die gestiegenen Ansprüche an deren nachhaltige Entwicklung erfordern nicht nur im politischen, sondern auch im wissenschaftlichen Bereich die Bereitschaft zum Umdenken und neue Herangehensweisen. Angesichts dieser hohen Inter-, Multi- und Transdisziplinarität steht auch für die Vermittlung geschlechtsspezifischer Lehrinhalte ein weites Spektrum zur Auswahl, das sich in die Bereiche Theoretische Grundlagen, empirische Untersuchungen und Studien- und Berufspraxis im ‚Grünen Bereich’ untergliedern lässt.

Zur Vermittlung der theoretischen Grundlagen kann auf Beiträge zurückgegriffen werden zu:

  • Wissenskonzeptionen (wissenschaftliches vs. Erfahrungswissen, universales vs. lokales Wissen)
  • Wandel von Arbeitsteilung und -organisation
  • Geschlechtliche Konnotationen von Natur und Kultur
  • Politische Organisation und Repräsentation in historischer Perspektive
  • Raumnutzung und Regionalentwicklung, Stadt-Land-Dichotomie in geschlechtsspezifischer Hinsicht
  • Prozesse von Inklusion und Exklusion hinsichtlich geschlechtsrelevanter Aspekte
  • Auseinandersetzungen mit den verschiedenen Paradigmen der Agrar-/Forstwissenschaften aus der Geschlechterperspektive
  • feministische Natur- und Technikwissenschaftskritik in ihrer Bedeutung für agrarwissenschaftliche Fachgebiete
  • Kritik an entwicklungstheoretischen Zielen und Modernisierungskonzepten für die Landwirtschaft.

Die empirischen Untersuchungen beziehen sich zum einen auf den ländlichen Raum als Lebensort, der von Frauen und Männern im Laufe der Jahrhunderte unterschiedlich erfahren und genutzt wird. Zu nennen sind hier Arbeiten zu:

  • Lebens- und Arbeitssituation, Handlungsspielräume und Identitäten von Frauen und Männern in ländlichen Regionen
  • Kindheit, Jugend, Sozialisation auf dem Lande in geschlechtsspezifischer Hinsicht
  • Wandel von Normen, Werten und symbolischen Bedeutungen für Frauen und Männer
  • Migration von Frauen und Männern in ihren Auswirkungen auf die ländliche Gesellschaft, die soziale Nachhaltigkeit und den ländlichen Raum
  • Konstruktion von Geschlecht im Zusammenhang mit der Gestaltung, Erhaltung und Entwicklung ländlicher Räume
  • Organisation und Repräsentation ländlicher und landwirtschaftlicher Interessen (z. B. in FAO, Weltbank, Ministerien, Landwirtschaftlichen Verbänden, Landfrauenvereinen)

Zum anderen wird in den vorliegenden Arbeiten die Nutzung der Ressourcen des ländlichen Raums in geschlechtersensibler Perspektive fokussiert. Der Schwerpunkt liegt hier im Bereich Landwirtschaft. Um die Bedeutung der Kategorie Geschlecht zu vermitteln, bieten sich im einzelnen Arbeiten an zu:

  • Zugang, Verwendung und Kontrolle von natürlichen Ressourcen
  • Auswirkungen der Modernisierung auf die geschlechtliche Arbeitsteilung bei der Produktion und Aufbereitung von Nahrungsmitteln
  • Bedeutung von Frauen für die Subsistenzproduktion, Ernährungssicherung und den Erhalt der Biodiversität
  • Konsum von Nahrungsmitteln in geschlechtsspezifischer Hinsicht
  • Feminisierung der Landwirtschaft im Zusammenhang mit Pluriaktivität und Multifunktionalität
  • neue Technologien der Land- und Forstwirtschaft und ihre Folgen für das Geschlechterverhältnis
  • Geschlechter- und Generationenbeziehungen sowie Machtverhältnisse in landbewirtschaftenden Familien
  • Rolle der Frauen und Männer bei der Konzeptionierung und Realisierung alternativer Formen des Land-, Wein- und Gartenbaus
  • Frauen als Pionierinnen bei der Entwicklung von Landwirtschaft und Agrarwissenschaften

Als dritter Schwerpunkt fachspezifischer Inhalte der Geschlechterforschung in den Agrar-/Forst-/Gartenbauwissenschaften sind die Studien- und Berufspraxis im ‚Grünen Bereich’ zu thematisieren.

  • Auf institutioneller Ebene kann auf die wechselnde Inklusion und Exklusion von Frauen in den Studiengängen, Forschungsanstalten und Lehrinstituten fokussiert werden. Durch die Vermittlung empirischer Ergebnisse zu geschlechtsspezifischen Zugangsvoraussetzungen, Arbeitsbedingungen, Institutionskulturen wird das Bewusstsein für die unterschiedlichen Auswirkungen für Frauen und Männer geschärft. Darüber hinaus können Gender-Mainstreaming-Maßnahmen bzw. gender assessments für die Agrar-/Forstuniversitäten, einschlägige internationale Organisationen, Ministerien und Verwaltungsinstitutionen diskutiert werden.
  • In biografischer Hinsicht werden Einblicke in soziale Herkunft, Wege in den Beruf/in die Wissenschaft, Karriereverläufe, Erfolge und Rückschläge, professionelle Netzwerke, Koordination von Familie und Beruf unter der Geschlechterperspektive vermittelt.

Formen der Integration der Inhalte der Geschlechterforschung in das Curriculum:

Grundsätzlich können Genderaspekte im Sinne des Gender Mainstreamings in allen Fächern des Agrar-/Forst- bzw. Land-, Wein- oder Gartenbaustudiums berücksichtigt werden. Da viele VertreterInnen des Lehrpersonals die Bedeutung der Kategorie Geschlecht nicht einzuschätzen wissen bzw. nicht (an-)erkennen, ist dies in absehbarer Zeit nicht zu erwarten.
Als Zwischenlösung werden Gender-Module/Modulelemente zu ruraler Frauen- und Geschlechterforschung und zu feministischer Agrar-/Forstwissenschaftskritik und die Initiierung von einschlägigen Abschlussarbeiten und Praktika empfohlen. Für die formale Zuordnung bieten sich wirtschafts-, geschichts- und sozialwissenschaftliche Departments/Arbeitsgruppen an.

Potenzielle Module/Modulelemente

  • Einführung in die Rurale Frauen- und Geschlechterforschung
  • Geschlechterverhältnisse in der Landwirtschaft: Theoretische Grundlagen und empirische Ergebnisse
  • Gender, Biodiversität und Nachhaltigkeit
  • Gender, Konsum und Ernährung
  • Die Kategorie Gender in der Ländlichen Entwicklung und Raumplanung
  • Gender Mainstreaming im Naturschutz
  • Gender Mainstreaming in Agrar- und Regionalpolitik
  • Forschung in den Agrar-/Forstwissenschaften aus der Geschlechterperspektive

Zur Erweiterung des Erfahrungsspektrums der Studierenden wäre die Schaffung eines Angebots geschlechtersensibilisierender Praktika in agrar-/entwicklungs-/ernährungspolitischen Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen, Forschungsinstitutionen sowie Dokumentationszentren zu begrüßen.
Darüber hinaus sind Kooperationen mit weiteren Schwerpunktfächern der Geschlechterforschung denkbar. Dabei sollten Vorschläge erarbeitet und weitergegeben werden wie rurale/landwirtschaftliche Aspekte bzw. die Stadt-Land-Dimension bei Genderfragestellungen anderer Fakultäten der jeweiligen Universität/Fachhochschule, z. B. in Ethnologie, Geschichte, Geographie, Kommunikations-, Politik-, Sozial- oder Wirtschaftswissenschaften.

Studienphase:

Die aufgezeigten Lehrinhalte zur Geschlechterforschung sollten im 2. Studienjahr des Grundstudiums (Bachelor) verpflichtend angeboten werden. In der Studienrichtung Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Land-/Wein-/Gartenbaus können weitere Modulelemente im 5./6. Semester zur Wahl stehen. Es wird empfohlen, in Masterstudiengängen sinnvoll darauf aufbauende Vertiefungsmodule anzubieten.

Schlagworte:

Landwirtschaft, Rurale Frauen- und Geschlechterforschung, Frauen im Grünen Bereich, Agrarpolitik, Geschlechtliche Konnotationen von Natur und Kultur, Landfrauenvereine, Subsistenzproduktion, Biodiversität, Agrarökonomik, Agrarwissenschaften, Fishery Science and Aquaculture, Land- und Gartenbauwissenschaft, Fischwirtschaft, Gewässerbewirtschaftung, Nutztierwissenschaften, Pflanzenbauwissenschaften, Landnutzung- und Wasserbewirtschaftung, Oenologie, Umweltmanagement, Agrarbiologie, Agribusiness, Agricultural Economics, Agricultural Sciences, Food Security, Natural Resource Management, Environmental Protection, Agricultural Food Production, Organic Food Chain Management, Ökologische Landwirtschaft, Ökolandbau und Vermarktung, Bioproduct Technology, Landwirtschaft, Agrarmarketing, Agrarmanagement, Landwirtschaft, Internationale Weinwirtschaft, Weinbau, Getränketechnologie, Forstwissenschaften, Wein- und Gartenbau, Rurale Entwicklung