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Medien (Film- und Fernsehwissenschaft)

Weiter relevant für: Kulturwissenschaften, Kunstwissenschaft, Theaterwissenschaft, Kommunikationswissenschaft

Fach: Film- und Fernsehwissenschaft, Medienwissenschaft
Fächergruppe/n: Kunst, Kunstwissenschaft

Inhalt:

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Lehrziele:

Im Vordergrund des medienwissenschaftlichen Studiums der Gender Studies steht die Analyse der medialen und diskursiven Konstitution und Produktion von Geschlecht. Im Studium wird das Verhältnis von Gender und Medien als sich wechselseitig bedingend vermittelt. Die Studierenden erarbeiten Kernkonzepte kulturwissenschaftlicher Geschlechterforschung (Diskurs, Repräsentation, Performativität, Historizität, Natur/Kultur) und lernen diese medienwissenschaftlich zu perspektivieren. Untersucht wird die Konstitution von Geschlecht im Zusammenhang mit verschiedenen technischen Einzelmedien (insbesondere Kino, Fernsehen und digitale Medien/Internet) wie auch in Bezug auf medienübergreifende Fragestellungen zu Formen der Wissensproduktion, Wahrnehmungsprozessen, Prozessen der Subjektivierung und Normalisierung, dem Verhältnis von Körper und Technik und medialer und sozialer Reproduktion. Angesichts zunehmender Digitalisierung und Medienkonvergenz werden Medien stärker hinsichtlich ihrer Überlagerungen und nicht nur in ihrem Funktionieren als Einzelmedien betrachtet. Die Studierenden setzen sich mit den Kontexten der Konstitutionsprozesse von Öffentlichkeiten sowie von marginalen und hegemonialen Diskursen auseinander, in denen „Race”, „Klasse”, „Geschlecht”, „Sexualität” und weitere, situationsbedingt relevante Kategorien interferieren. In diesem Zusammenhang wird das Konzept der Intersektionalität als Analyseinstrument diskutiert. Die Studierenden vertiefen ihre Methodenkompetenz, insbesondere im Bereich diskursanalytischer und -historischer, bild- und filmanalytischer Verfahren, und lernen so das wechselseitige Bedingungsverhältnis von Medialität, Technik und Gender zu beschreiben und zu deuten. Im Studium werden sowohl Geschlecht als auch Medien als epistemische Größen vermittelt, deren Zusammenwirken die Wahrnehmung von und das Agieren in sozialer Wirklichkeit bestimmt.

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Lehrinhalte/fachspezifische Inhalte der Geschlechterforschung:

Darstellung der einzelnen Fachteile/-gebiete:

Medienwissenschaft versteht sich als ein interdisziplinäres Fach, das seine Konzepte und Methoden u. a. aus der Film- und Fernsehwissenschaft, den Cultural Studies, der Kulturwissenschaft, angrenzenden philologischen Disziplinen, Philosophie, Kunstwissenschaft, aber auch Technik- und Wissenschaftsgeschichte bezieht. Zum Einsatz kommt dabei ein weiter Medienbegriff, der sowohl technische Einzelmedien des Schreibens und Beschreibens, der Visualisierung und des Sichtbarmachens, als auch komplexe medientechnologische Dispositive und Assemblagen umfasst. Medien werden nicht als neutrale Werkzeuge der Kommunikation verstanden, sondern als produktiv hinsichtlich dessen, was sie übermitteln und speichern. In der medienwissenschaftlichen Geschlechterforschung werden diese um Ansätze aus der feministischen Kritik, den Queer und Critical Race Studies ergänzt. Im Zentrum stehen die Fragen nach der Konstitution sowie der Produktion von Geschlecht. Diese werden anhand einzelner Mediendispositive (dies betrifft Materialität, Technik, Wahrnehmungsstrukturierung, Institutionen, ökonomische Aspekte) auf geschlechterbezogene Effekte (bezüglich der Produktion von Differenz- und Machtverhältnissen, Normalisierung, Techniken der Verkörperung, Reproduktion und Variation sozialer Ordnung) untersucht. Dies betrifft auch das Verhältnis von Massen- und Subkultur, Natur und Kultur, Öffentlichkeit und Privatheit. Geschlecht ist dabei auch in seinen Bedeutungszusammenhängen wie Familie und Verwandtschaft, Nation und Gemeinschaft zu verstehen. Die Forschung zum Verhältnis von Gender und Medien umfasst außerdem Fragen zu den Möglichkeiten von Affirmation und Subversion, zu Formen der Handlungsermächtigung und Kritik.

 

Methodische und theoretische Zugänge:

Im Bereich Film besteht seit den 1970er Jahren eine prägende Tradition feministischer Filmwissenschaft, die den Fokus ihrer Medienanalysen auf die patriarchale Konstruktion und Repräsentation von Weiblichkeit im klassischen Hollywoodkino sowie auf die von der Filmwissenschaft bis dahin vernachlässigten Filmgenres (z. B. Pornografie, Melodram, Horrorfilm) richtet. Besonders wichtig sind hier psychoanalytische und semiotische Ansätze bzw. deren kritische Revision. Eine kritische Auseinandersetzung mit der von diesem theoretischen Paradigma entwickelten Zuschauerkonzeption (der Zuschauer als ein ahistorisches Subjekt, welches sich den im Medientext vorgegebenen Genderpositionen unterwirft) führte zu einem Verständnis der Filmrezeption als einem aktiven Prozess der Bedeutungsproduktion. Damit erweitert sich die Fragestellung nach der Konstruktion und Identifikation unter Einbezug von poststrukturalistischen und dekonstruktiven Theoriebildungen um weitere Differenzkategorien, wie z. B. „Race“ und „Sexualität“. Hier bilden sowohl die Verschränkungen von „Race“ und „Gender“ im Sinne der Critical Race und Whiteness-Studies, als auch Fragen nach einer spezifischen, emanzipativen Ästhetik von „Queer Cinema“ wichtige Analysegegenstände.

Im Bereich Fernsehen rückt neben den Versuchen, die oben genannten Fragestellungen und Analysemethoden der feministischen Filmwissenschaft auf Fernsehformate anzuwenden, die Frage nach Prozessen der Vergeschlechtlichung von in den Alltag eingebundener Mediennutzung in das Zentrum der Untersuchungen. Mit Bezug auf die Cultural Studies werden neben der Analyse von Geschlechterrepräsentationen Produktions- und Rezeptionsbedingungen fernsehspezifischer Formate (v. a. am Beispiel der Soap Opera) untersucht. Hier spielt auch die geschlechtlich definierte Unterscheidung von Hoch- und Massenkultur eine Rolle. In der Theoriebildung gilt das Interesse Medien- und Zuschauerkonzepten, die nicht universalisierend wirken, sondern heterogenen Rezeptionssituationen gerecht werden. Dabei wird auch die Transformation des Mediums Fernsehen unter Einfluss digitaler Medien und globalisierter Produktion berücksichtigt. Fernsehen wird insbesondere auf vergemeinschaftende Effekte untersucht, die sich aus der medienspezifischen Anordnung in Raum und Zeit ergeben können. Hier spielt die Frage eines geschlechtlich codierten Konzepts von Gemeinschaft eine wichtige Rolle. Weiterhin stellen neue Formen des „Quality-TV“, insbesondere aufwändig produzierte Fernsehserien, den Gegenstand der Analyse dar.

Im Bereich der Printmedien wird die Herstellung unterschiedlicher Öffentlichkeiten (hegemonial und kritisch) in Zusammenhang mit der medienspezifischen Produktion von Geschlecht untersucht. Dabei werden das Funktionieren und die Bedeutung von Printmedien im historischen Wandel wie auch heterogene, insbesondere in Alltagspraktiken integrierte Formen der Rezeption betrachtet. Inhalts- wie diskursanalytische Verfahren werden eingesetzt. Ein weiteres Forschungsfeld in diesem Bereich ist die Auseinandersetzung mit der Fotografie als einer Technologie von Geschlecht, die insbesondere in wissenschaftshistorischen Zusammenhängen (z. B. bei der Geschichte der Hysterie) von Bedeutung ist.

Der Bereich der digitalen Medien umfasst das Medium Internet, aber auch Computerspiele (on- und offline) und digitale bildgebende Verfahren in journalistischen und (populär-) wissenschaftlichen Zusammenhängen, wie auch Fragen der Medienkonvergenz (dem Zusammenschluss verschiedener Medien). In Zusammenhang mit der Entstehung des Internets beschäftigen sich Analysen mit sich durch die Idee des Virtuellen verändernden Körper- und Identitätskonzepten und den dadurch prekär werdenden Grenzziehungen zwischen Körper und Maschine (Natur und Kultur). Die zu Beginn dieser Arbeiten bestehende Hoffnung, dass das digitale Medium (z. B. Internet, Computerspiele) eine emanzipatorische Wirkung habe in dem Sinne, dass es zu einer Auflösung der heteronormativen Geschlechterordnung führen könnte, weicht einer kritischen Reflexion. Die Aufmerksamkeit richtet sich zudem auf die im Internet entstehenden (Teil-)Öffentlichkeiten und Netzwerke. Einen weiteren Untersuchungsbereich bildet die Diskussion der sich wandelnden Eigenschaften („Web 2.0“) und die sich daraus ergebenden Effekte für das Verhältnis von ExpertInnen und UserInnen. Hier, wie auch bei der Analyse von Repräsentationen von Geschlecht in Computerspielen, geht es wiederum um die produzierten Subjektpositionen und ihre geschlechtliche Bestimmtheit. Ein anderer wichtiger Bereich ist die Untersuchung bildgebender Verfahren als Techniken der Wissensproduktion, insbesondere in kriegs- und lebenswissenschaftlichen Zusammenhängen (Röntgentechnologie, Ultraschall, technische Schaubilder und Diagramme, Computertomographien), und deren Bedeutung für die Darstellung und Wahrnehmung von geschlechtlichen Körpern, Leben und Tod. Hierbei spielen Fragen der Normierung, Abstraktion und Evidenzerzeugung natürlicher ‚Fakten’ eine Rolle.

Für alle Medien gilt, dass durch die Entwicklung neuer Technologien ein sich voneinander abgrenzendes Medienverständnis einem hybridisierten Medienbegriff weicht und das Verhältnis zwischen Technologie, Körperlichkeit, Geschlecht und Materialität zunehmend komplexerer Beschreibungen bedarf. New Materialism und Affect Studies rücken den vergeschlechtlichten Körper selbst in seiner Materialität und medialen Wirkmächtigkeit in den Vordergrund. Für eine medienwissenschaftliche Geschlechterforschung stellt sich die Frage, welche Konsequenzen sich aus diesem Zusammenschluss unterschiedlicher Medien für die Konstitution und Produktion von Geschlecht ergeben. Das performative und diskursive Funktionieren von Medien ist unter dem Aspekt der Medienkonvergenz einer Revision zu unterziehen. Geschlecht als ‚Effekt von Medien’ gestaltet sich je nach medialem Funktionieren unterschiedlich, was insbesondere in einer historischen Perspektivierung der Einführung „neuer” Medien zu berücksichtigen ist.

Medienübergreifend werden zudem das Verhältnis und die Entstehung von hegemonialen und marginalisierten Diskursen und die damit verbundene Strukturierung von Öffentlichkeit (national, international, historisch und kulturell eingebettet) in Zusammenhang mit der Genderkonstruktion untersucht.

 

Professionsaspekte:

Die Interdisziplinarität der medienwissenschaftlichen Gender Studies erfordert eine wissenschaftskritische Befragung medienwissenschaftlicher Ansätze, in denen die Analyse sozialer Differenzen fehlt. Zugleich werden die eigenen epistemologischen Voraussetzungen und Fragestellungen in kritischer Reflexion, etwa unter Berücksichtigung materialistischer und affekttheoretischer Interventionen, weiterentwickelt. Hier schließt sich eine Methodendiskussion an: Während quantitative Erhebungen einen stabilen Subjekt- und Identitätsbegriff voraussetzen und somit die Geschlechterdifferenz reproduzieren, richtet die medienwissenschaftliche Geschlechterforschung in Verbindung mit poststrukturalistischen Theorien den Fokus auf Geschlecht selbst als epistemische Kategorie. Als solche bedingt die Geschlechterdifferenz die Konstitution von Medien ebenso, wie sie selbst Medieneffekt ist.

 

Handlungs- und Praxisfelder:

Medienwissenschaftliche Gender Studies vermitteln analytische Kompetenzen, die für ein breites berufliches Spektrum von Relevanz sind. Dies gilt insbesondere für den Mediensektor, weitere Kulturarbeit sowie weiterführende wissenschaftliche Tätigkeiten. Wie kulturwissenschaftliche Studiengänge im Allgemeinen bereiten medienwissenschaftliche Gender Studies nicht auf einen klar definierten Beruf vor. Stattdessen eignen sich die Studierenden Fähigkeiten analytischen und kritischen Denkens an, die für unterschiedliche Bereiche qualifizieren.

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Integration der Inhalte der Geschlechterforschung in das Curriculum:

Es empfiehlt sich ein Basismodul „Gender und Medien” das die kulturelle und mediale Repräsentation und Produktion von Gender sowie wissenshistorische Zusammenhänge zum Inhalt hat und medien- und kulturwissenschaftliche Methoden vermittelt. Die Kategorie Gender ist, wie oben skizziert, eine medienübergreifende Kategorie, sodass dieses Modul mit jedem fachspezifischen Gegenstandsmodul (Film/Kino, Rundfunk, Printmedien, Digitale Medien) kombiniert werden kann.

Eine Verbindung zu einem Modul zu den Themen „Identität und Differenzen” wird empfohlen. Inhalt dieses Moduls ist die Auseinandersetzung mit der Konstituierung und Wirkmächtigkeit sowie mit der Tendenz der Infragestellung und Auflösung von Identitäten (u. a. durch virtuelle Identitäten, Auflösung nationaler Grenzen). Ziel ist die Analyse von Prozessen der gesellschaftlichen Positionierung der Identitätsbildung und Veränderung unter Berücksichtigung anderer Differenzkategorien. Die Studierenden vertiefen den interdisziplinären Ansatz in der Auseinandersetzung mit diesen Fragen sowie ihre Methodenkompetenz, insbesondere in qualitativen und hermeneutischen Verfahren.

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Studienphase:

Das zuvor beschriebene Systematische Modul Gender – Repräsentation/Rezeption wird als Systematisches Modul ab dem zweiten Semester in die B.A.-Phase integriert. Hier werden medienwissenschaftliche Fragestellungen und Ansätze in Bezug auf die Kategorie Geschlecht differenziert und vertieft. Eine Vertiefung ist zudem in der Master-Phase in Form von Projektmodulen sinnvoll.

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