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Kunstgeschichte, Kunstwissenschaft, Kunst

Fach: Kunst, Kunstgeschichte, Kunstwissenschaft
Fächergruppe/n: Sprach- und Kulturwissenschaften, Kunst und Gestaltung

Lehrziele/Studienziele:

Die Studierenden lernen die Kategorie Geschlecht in den Künsten und der Kunstgeschichte kennen. Dabei werden grundlegende Ansätze, Methoden und Theorien nahegebracht, die diese Kategorie sowohl als gesellschaftliche als auch symbolische Ordnung auffassen. Damit einher geht die Bewusstmachung eines Pluralismus, den die kunsthistorische, kunstwissenschaftliche und künstlerische Geschlechterforschung seit ihrer Gründung in den 1970er Jahren vertritt. Die so erworbenen Denkmodelle sollen die Studierenden als kritische Instanz in den Künsten, der Kunstpraxis, den Kunst- und Kunstgeschichtsinstitutionen anwenden lernen.

Lehrinhalte/fachspezifische Inhalte der Geschlechterforschung:

Die Geschlechterforschung in Kunst und Kunstwissenschaft hat sich bisher folgende Themen erschlossen: AutorInnenschaft, Medien, Ethnie und Institutionengeschichte. Darin eingebunden findet sich die Kategorie Geschlecht als Differenz zum kunstwissenschaftlichen Kanon. Diese Geschlechterdifferenz wird sowohl als gesellschaftliche Ordnung, also am Beispiel real existierender Verhältnisse, als auch als symbolische Ordnung verhandelt. Die Methoden stammen aus der Wahrnehmungsanalyse, der Linguistik, der Medizingeschichte und Psychoanalyse, der Ideologie- und Institutionenkritik, der poststrukturalistischen Philosophie, der Medientheorie, der Soziologie und den Kultur- und Literaturwissenschaften.

Künstlerinnenforschung:

Die Basis bildet die Künstlerinnenforschung, die mit der Gründung der Frauen- und Geschlechterforschung in den Kunstwissenschaften 1971 auf den Plan trat. Der Nachweis vergessener künstlerischer Autorinnen, ihrer Werke, ihrer Biographien und ihrer Kunstpraxis legte das Denkmuster der Differenz fest. Im Mittelpunkt stand die Auseinandersetzung mit dem Genie als männlichem Konstrukt und mit den geschlechtlich konnotierten Gattungshierarchien. Von hier aus eröffneten sich alle weiteren Themengebiete. Die Künstlerinnenthematik selbst hat sich zur AutorInnenschaftsfrage weiterentwickelt und bezieht heute Fragen der Männlichkeits- und der „Queer”-Forschung mit ein. Hier kommen vor allem die Soziologie sowie die Kultur- und Literaturwissenschaften zum Einsatz.

Medien/Ethnie:

Die Hinterfragung der Gattungen und Genres führte dazu, sich heute insbesondere mit den medialen Künsten: Video, Fotografie, Film und Computerkunst, also Sparten der Kunst und Kultur der Moderne und Postmoderne, zu beschäftigen. Hier ist die reale Präsenz von Künstlerinnen ebenso sehr von Relevanz wie die symbolische Verortung geschlechtsbedingter und -bestimmter Kreativität. Hinzu kommt die Verhandlung von Inszenierung und Konstruktion der medial erzeugten Weiblichkeits- und Männlichkeitsbilder, bei denen sich das Augenmerk u. a. auf die Codierung von geschlechtsbedingten, auch ethnisch konditionierten Machtverhältnissen und den dazugehörigen Körper- und Sexualitätsdiskursen richtet. Diese Themenausrichtung ist in erster Linie poststrukturalistischen Fragestellungen vorbehalten.

Institutionen:

Die Erforschung von Frauen in der Kunst und der Versuch ihrer Einschreibung in die Kunstgeschichte und Geschichte der Kunst mündete unweigerlich in die kritische Infragestellung jener „Institutionen”. So wurden Denk- und Deutungsmuster des Künstlergenies und Topoi wie Karriere, Erfolg und Anerkennung als Mystifizierung, Stabilisierung und Bevorzugung des männlichen Künstlers entlarvt. Heute gelten sie ebenso als Stabilisatoren der kunsthistorischen, kunstwissenschaftlichen und künstlerischen Institutionen. Neueste Forschungen behandeln nun die institutionelle Präsenz und die Institutionalisierung von Künstlerinnen, sprich: ihren Anteil an der Kunstproduktion, an den geschlechtsbedingten Machtverhältnissen, ja an den oben genannten Institutionen selbst. In diesem Fall geht es um die Verschiebung der real existierenden Geschlechterordnung zu einer symbolischen.

Formen der Integration der Inhalte der Geschlechterforschung in das Curriculum:

Die Geschlechterforschung behauptet sich in den Kunst- und Kulturwissenschaften als kritische Instanz. Von daher sollten ihre Inhalte in die künstlerischen und kunsthistorischen Studienfächer integriert werden. Ist die Infrastruktur durch entsprechende Vertreterinnen und Vertreter gegeben, bietet sich die Möglichkeit, auf allen curricularen Ebenen Angebote dieser Themenrichtung zu machen. Ist diese ideale Form der Integration nicht gesichert, empfiehlt sich die Einrichtung eines „Gender-Moduls”, das das Themenspektrum der kunsthistorischen Geschlechterforschung in den drei oben skizzierten Hauptrichtungen abdeckt. Aufgrund der ausgeprägten Spezifik der Themen ist von exklusiven „Gender-Studies” hingegen abzuraten.

Studienphase:

Um die Studierenden von Anfang an mit dem kritischen Potenzial der Geschlechterforschung vertraut zu machen, gehört die kunsthistorische Geschlechterforschung sowohl in die grundständigen Studiengänge des Bachelors als auch zur Vertiefung in den Masterstudiengang.

Schlagworte:

Kunstgeschichte, interdisziplinäre Mittelalterstudien, Kunst- und Kulturvermittlung, Kunstwissenschaft, Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte, Historische Musikwissenschaft, Mittelalter-Studien, Europäische Kunstgeschichte, Ostasiatische Kunstgeschichte