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Nautik

Fach: Nautik
Fächergruppe/n: Ingenieurwissenschaften

Lehrziele/Studienziele:

  • Sensibilisierung für Geschlechtsrollenmuster im Allgemeinen
  • Sensibilisierung für die besondere Situation des Zusammenarbeitens und Zusammenlebens von Frauen und Männern auf See
  • Typische Konfliktsituationen im Geschlechterverhältnis kennen- und bearbeiten lernen
  • Führung von Menschen im Bordbetrieb
  • Integration und Akzeptanz von Frauen in einem bisher von Männern dominierten Bordalltag
  • Führung von Menschen in Notfällen

Lehrinhalte/fachspezifische Inhalte der Geschlechterforschung:

Gender Mainstreaming wird der Begriffsbedeutung entsprechend auch im Nautik-Studiengang als Querschnittsaufgabe angesehen. Elemente der Geschlechterproblematik finden sich vor allem (aber nicht ausschließlich) in folgenden Modulen:

  • Personalführung
  • Arbeitsrecht
  • Notfallmanagement
  • Bridge-Team-Management (Übungen am Schiffsführungssimulator)

Am meisten Raum nimmt das Thema Gender im Modul Personalführung ein. Hier werden die Studierenden mit dem Problem erlernten Geschlechtsrollenverhaltens bekannt gemacht. Allgemeine Kenntnisse über Führungsstile werden durch geschlechtsspezifische Charakteristika ergänzt. Das Thema Frauen an Bord wird problematisiert mit dem Ziel, geeignete Verhaltensweisen für Männer und Frauen zu benennen. Im Modul Personalführung werden auch Probleme behandelt, die innerhalb der multikulturell zusammengesetzten Besatzungen entstehen können. Wechselwirkungen mit dem Thema Frauen an Bord sind offensichtlich und werden angesprochen. Das Kennen und Bewerten von Konfliktlösungsstrategien ist ebenfalls ein Lehrinhalt. Unter dem Gender-Aspekt werden hier typische Konflikte zwischen Frau und Mann unter den Lebensbedingungen an Bord thematisiert.

Im Modul Arbeitsrecht geht es um die gesetzlichen Grundlagen von Gleichberechtigung und Geschlechterdemokratie.

Das Führen von Menschen in (See-)Notfällen ist Gegenstand des Moduls Notfallmanagement. Wie bei der Personalführung im Allgemeinen wird hier die Menschenführung unter geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten angesprochen. Übungen am Schiffsführungssimulator dienen dem Ziel, die komplexe Arbeitsorganisation auf der Brücke beherrschen zu lernen (Bridge-Team-Management). In kleinen Gruppen können hier auch rollenspezifische Verhaltensweisen identifiziert und hinterfragt werden.

Im Modul Gesundheitspflege werden die Studierenden stärker als in der Vergangenheit mit weiblichen Krankheitsbildern bekannt gemacht. Die Behandlung eines Menschen des jeweils anderen Geschlechts ist zu problematisieren.

Auch in anderen Modulen (Informatik, Physik) werden Gender-Aspekte berücksichtigt, zum Beispiel durch monoedukative Gruppenbildung und geschlechtsspezifische Reflexion der Arbeitsergebnisse.

Formen der Integration der Inhalte der Geschlechterforschung in das Curriculum:

Im Modul Personalführung werden die Studierenden über soziologische und psychologische Grundlagen des Geschlechterverhältnisses und der Geschlechtsrollen informiert (Vorlesung). Darüber hinaus sollen typische Situationen an Bord diskutiert werden. Hier können die Studierenden eigene Erfahrungen einbringen (Unterrichtsgespräch). Auch Rollenspiele erscheinen sinnvoll. Lehrende müssen darauf achten, nicht die Situation der Frauen an Bord zu sehr in den Vordergrund zu stellen. Zum einen gibt es bei den (immer noch wenigen) Frauen inzwischen eine gewisse Übersättigung, zum anderen werden Männer häufig eine Abwehrhaltung einnehmen. Es ist wichtig, beide Geschlechter gleichzeitig anzusprechen.

Auch in den Modulen Arbeitsrecht, Gesundheitslehre und Notfallmanagement werden im Sinne der aktivierenden Lehre verschiedene Unterrichtsmethoden verwendet.

Im Bridge-Team-Management werden ohnehin Kleingruppen gebildet, die das Schiff im Simulator führen. Diese Gruppen können in Bezug auf das Geschlecht homogen oder inhomogen zusammengesetzt werden. In jedem Fall sollen genderrelevante Beobachtungen im Debriefing thematisiert und diskutiert werden.

Studienphase:

Die erste Begegnung mit dem Thema Gender erfolgt im ersten Theoriesemester im Modul Personalführung. Dort wird eine soziologische und psychologische Basis erarbeitet, auf der im nachfolgenden Fachstudium aufgebaut wird. Unmittelbar vor dem Erwerb des Bachelor-Abschlusses (und des Befähigungszeugnisses zur Nautikerin/zum Nautiker) werden in den Schiffsführungssimulator-Übungen Führungskompetenzen auch vor dem Hintergrund der Geschlechterfrage entwickelt.

Schlagworte:

Nautik, Bridge-Team Management, Bordbetrieb, Frauen und Männer auf See, Schiffsbetrieb und Schiffsbetriebstechnik, Seeverkehrs- und Hafenwirtschaft, Seeverkehr, Schiffsbetrieb, Anlagen- und Versorgungstechnik

Erstellt von
Prof. Dr. rer. nat. Ralf Wandelt
Fachhochschule Oldenburg-Ostfriesland-Wilhelmshaven
Fachbereich Seefahrt
wandelt[at]jade-hs.de

Weitere ExpertInnen für das Fach
Dr. Christine Keitsch