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Integrationsformen

Im Zuge der Neuorganisation gestufter Studiengänge im Rahmen von Akkreditierungsverfahren stellt sich auch die Frage nach dem systematischen Ort der Integration von Gender-Aspekten in Lehre und Studium. 

Hier lassen sich vier Ansätze skizzieren, wie die folgende Abbildung verdeutlicht:

Modell der Formen der Verankerung von Genderforschung in die Lehre

Fachübergreifender Ansatz

Ein fachübergreifender Ansatz – übergreifendes Gender-Modul für mehrere Studiengänge – macht insbesondere für diejenigen Hochschulen Sinn, an denen die Frauen- und Geschlechterforschung in einzelnen Fachdisziplinen bisher nicht oder gering vertreten ist. Ein solches transdisziplinäres und hochschulweites Gender-Modul könnte auf den drei zuvor entwickelten fachübergreifenden Gender-Aspekten aufbauen, da sich diese sinnvoll durch transdiziplinäre Ergebnisse aus der Frauen- und Geschlechterforschung ergänzen lassen. Dies könnte zum einen über ein fachübergreifendes Gender-Modul organisiert oder in Veranstaltungen eines Studiums Generale integriert werden.

Integrativer Ansatz

Die Auswertung der Gender Curricula zeigt, dass die beteiligten WissenschaftlerInnen mehrheitlich einen integrativen Ansatz befürworten, bei dem Gender-Aspekte als Querschnittsthemen in bestehende Studienfächer aufgenommen werden. Hierdurch soll ein ganzheitlicher Ansatz gefördert und Randständigkeit verhindert werden. 
Die Forderung zur Integration von Frauen- und Geschlechterforschung kann innovative Impulse zur Weiterentwicklung eines ganzen Faches beinhalten. Allerdings wurde auch vielfach betont, dass die Umsetzung dieses an und für sich sinnvollen Ansatzes zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund mangelnder fachlicher Kompetenz der überwiegenden Zahl der Lehrenden in vielen Fächern derzeit nicht möglich ist. 

Partikular-expliziter Ansatz

Insbesondere dann, wenn die Integration von Gender-Aspekten nicht gesichert werden kann, wird die Bildung eigenständiger Module bzw. von Modulelementen empfohlen. Ein partikular-expliziter Ansatz wird vor allem dann als Übergangs- bzw. „Zwischenlösung“ angesehen, wenn die Integration der Frauen- und Geschlechterforschung als Querschnittsthema an mangelnder fachlicher Eignung der Lehrenden scheitert. Dennoch würde es zu kurz greifen, die Einrichtung eigenständiger Gender-Module ausschließlich als temporäre Lösung zu werten. Innerhalb vieler Studiengänge kann einem expliziten Gender-Modul eine berufsqualifizierende Funktion zukommen. Ferner werden Gender-Module sowohl für Bereiche mit hohem Frauenanteil, wie in der Sozialen Arbeit, vorgeschlagen, als auch bewusst für Studiengänge mit niedrigem Frauenanteil, wie in der Informatik, entwickelt. Darüber hinaus werden eigenständige Gender-Module z.T. für eine Vertiefung während des Master-Studiums empfohlen, während für die Bachelor-Studien eher ein integrativer Ansatz befürwortet wird.

Expliziter Ansatz

Ein expliziter Ansatz (Gender-Studiengänge (BA/MA), Aufbaustudiengänge, Promotionsstudiengänge, Frauenstudiengänge, Frauenhochschulen, Virtuelle Gender-Studies) wird insbesondere für die Sozial- und Kulturwissenschaften befürwortet, wo nicht selten MA-Studiengänge auf eine gleichstellungsorientierte Berufspraxis vorbereiten oder eine vertiefende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Frauen- und Geschlechterforschung bieten. Derzeit gibt es vielfältige Modelle von „Frauenstudiengängen“ und „Gender-Studies“ an bundesrepublikanischen Hochschulen. Einige Hochschulen bieten spezielle monoedukative Studiengänge ausschließlich für weibliche Studierende an. Diese finden sich auch in natur- und ingenieurwissenschaftlichen Studienbereichen, wie beispielsweise der Frauenstudiengang Informatik an der Hochschule Bremen oder der Studiengang „International Water- and Ressourcemanagement“ an der Universität Lüneburg. Eine weitere Alternative sind Frauenstudiengänge wie beispielsweise ein Kompaktstudiengang der Katholischen Fachhochschule Aachen, der sich an Familienfrauen mit Erfahrungen in zivilgesellschaftlichem Engagement richtet. Ähnliche Studiengänge existieren an Hamburger Hochschulen und der Universität Dortmund.
Wiederum andere Hochschulen bieten MA Gender Studies an, die für beide Geschlechter zugänglich sind, wie beispielsweise die Universitäten Bochum oder Bielefeld.

Die Studie als Download

Laden Sie hier die Studie "Geschlechtergerechte Akkreditierung und Qualitätssicherung" (Hilgemann/Kortendiek/Knauf 2012) als PDF-Dokument herunter.

Studie Nr. 14 | Download