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Gender Studies

Fach: Gender Studies
Fächergruppe/n: Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Inhalt:

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Lehrziele:

Alleinstellungsmerkmal des Studienfachs Gender Studies ist es, die Kategorie Geschlecht ins Zentrum des Erkenntnisinteresses sowie der Analyse zu stellen, welche in Wechselwirkung mit weiteren sozialen Kategorien wie sexuelle Orientierung/Begehren, Klasse, Ethnizität oder Alter untersucht wird.

Gender Studies zeichnen sich durch eine interdisziplinäre Perspektive aus und ermöglichen daher den gegenstandsbezogenen Dialog zwischen einzelnen Disziplinen wie Geschichts-, Sozial-, Literatur-, Rechts-, Medien-, Natur- oder Erziehungswissenschaft. Aufgrund dieser interdisziplinären, gegenstandbezogenen Programmatik können sich ähnlich gelagerte Lehr- und Forschungsperspektiven wie Queer-, Disability-, Postcolonial- oder Critical Men Studies an den hier vorgeschlagenen Strukturen orientieren.

Das Studienfach Gender Studies schließt mit seinen Lehrinhalten an internationale Forschungslinien an und gibt einen umfassenden Einblick in die Entwicklung der unterschiedlichen Theorie- und Methodentraditionen der Geschlechterforschung. Zentral ist dabei die interdisziplinäre Perspektive, die je nach universitärem Standort verschiedene Schwerpunkte aufweisen kann. Als Kerndisziplinen können zum Beispiel Geschichts-, Sozial-, Literatur-und Medienwissenschaften verstanden werden, wobei die gemeinsame Klammer die Inblicknahme der Kategorie Geschlecht als historische, soziale und kulturelle Konstruktion ist, die intersektional verfasst ist.

Diese Kenntnisse sollen die Grundlage bilden, um den kulturellen und sozialen Wandel der Geschlechterverhältnisse auf nationaler und internationaler Ebene zu analysieren und zu reflektieren. Dies kann anwendungs- oder forschungsorientiert erfolgen. Dabei sollen die Studierenden ihr theoretisches Wissen und ihre Methodenkompetenz selbstständig in neuen Situationen oder in multidisziplinären Zusammenhängen weiterentwickeln und anwenden können. Des Weiteren sollen sie in der Lage sein, sich in komplexe Themenfelder einzuarbeiten und das genderbezogene Wissen sowohl als empirisches Wissen als auch als Reflexions- und Begründungswissen zu nutzen. Die Studierenden sollen so dazu befähigt werden, wissenschaftlich fundierte Entscheidungen unter Berücksichtigung von gesellschaftlichen und kulturellen Erkenntnissen zu treffen.

Dabei kann das Studium sowohl berufsqualifizierende als auch wissenschaftliche Ausbildungsziele verfolgen, da sich die erworbenen Kompetenzen sowohl praxisorientiert in Feldern wie Gleichstellungsarbeit (Stichwort „Gender Kompetenz“) sowie in wissenschaftlichen Kontexten (Promotion mit Gender-Schwerpunkt) anwenden lassen.

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Lehrinhalte/fachspezifische Inhalte der Geschlechterforschung:

Je nach fachlicher Ausrichtung der beteiligten Lehreinheiten kann das Gender Studies-Studium unterschiedliche Schwerpunkte aufweisen. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, im Basis- bzw. Grundlagenmodul ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung und Entstehung der interdisziplinären Geschlechterforschung zu legen. Anhand dieser Historisierung lassen sich bereits wesentliche Aspekte wie zum Beispiel der Androzentrismus der Wissenschaften, das spannungsreiche Verhältnis zwischen Wissenschaft und Politik (Zweite Frauenbewegung/Frauenforschung), epistemologische Grundlagen (feministische Erkenntniskritik) oder theoretische und methodische Herausforderungen (Intersektionalität) verdeutlichen.

Aufgrund der oftmals interdisziplinär zusammengesetzten Studierendenschaft und den sich daraus ergebenden Unsicherheiten ist ein begleitendes Tutorium ratsam, in welchem offene Fragen bezüglich der unterschiedlichen Fach- und Theorietraditionen geklärt werden können.

Die Inhalte der Aufbau- und Vertiefungsmodule sind in der Regel fachwissenschaftlich geprägt und beziehen sich auf die Lehr- und Forschungsprofile der beteiligten Professuren. Zentral ist hierbei, dass die Kategorie Geschlecht – sei es als historisches, soziales, kulturelles, biologisches, psychologisches oder mediales Konzept – durch die Auswahl einschlägiger Literatur, Methoden und (Praxis-)Beispiele als Analysegegenstand in den Mittelpunkt gesetzt wird. Ideen hierzu bieten die Curricula der einzelnen Fächergruppen.

Um der Interdisziplinarität des Studienfachs Gender Studies gerecht zu werden, sollten die fachwissenschaftlichen Perspektiven der Aufbau- und Vertiefungsmodule durch regelmäßig stattfindende Kolloquien oder Methodenwerkstätten verbunden und reflektiert werden. Denn durch die gemeinsame Diskussion einzelner (Forschungs-)Projekte lernen die Studierenden die Möglichkeiten und Grenzen der disziplinären, aber auch der interdisziplinären Arbeitsweise kennen.

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Integration der Inhalte der Geschlechterforschung in das Curriculum:

Aufgrund der Interdisziplinarität des Faches Gender Studies und der fachlichen Diversität der Studierendenschaft sollte zu Beginn des Studiums ein Basismodul konzipiert werden, welches eine gemeinsame inhaltliche Grundlage schafft. Dies kann durch überblicksartige Einführungsveranstaltungen (Stichwort: Historisierung der interdisziplinären Geschlechterforschung) als auch durch einführende Ringvorlesungen geschehen.

Bereits an dieser Stelle kann die Schwerpunktsetzung je nach fachlicher Ausrichtung des Studienprogramms vor Ort variieren, so dass zum Beispiel die Historizität oder Medialität von Geschlecht, Vergesellschaftungsprozesse, soziale Ungleichheiten, intersektionale Analysen oder Konstruktionsweisen von Geschlecht und Geschlechterverhältnissen im Mittelpunkt der Grundlagenvermittlung stehen können.

Für die Aufbau- und Vertiefungsmodule, welche ebenfalls je nach fachlicher Ausrichtung der beteiligten Lehrstühle unterschiedliche Profile aufweisen, bietet sich eine thematische Klammer an. So lassen sich unter zentralen Begriffen wie zum Beispiel „Arbeit“ oder „Repräsentationen“ Lehrveranstaltungen subsumieren, die aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven den Gegenstand analysieren. Im Folgenden wird ein Modularisierungsvorschlag unterbreitet, der die Fachdisziplinen Sozial-, Medien- und Geschichtswissenschaft bündelt (vgl. MA Gender Studies an der Ruhr-Universität Bochum).

  1. Aufbau- und Vertiefungsmodul „Arbeit, Institutionen, kulturelle Praxis“
    Dieses Modul befasst sich mit den Geschlechterordnungen innerhalb verschiedener Felder wie Kultur, Politik, Religionen, Arbeitsmärkten, Ökonomie, Öffentlichkeit, Familie oder Gesundheitswesen. Hierbei werden sowohl soziale Strukturen, Praktiken, Inszenierungen und subjektiv bedeutsame Problemlagen vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Geschlechterverhältnisse thematisiert sowie auch die (Re-)Produktion und der Wandel geschlechtlicher Arbeitsteilungen und geschlechtsspezifisch deklarierter Kulturbereiche behandelt.
  2. Aufbau- und Vertiefungsmodul „Kulturelle und mediale Repräsentationen“
    Im Mittelpunkt dieses Moduls steht die Analyse von kulturellen, insbesondere medialen Konstruktionen und Repräsentationen von Geschlecht. Es werden Geschlechterkonstruktionen in Abhängigkeit von verschiedenen kultur- bzw. medientechnischen Konstellationen und Öffentlichkeiten in nationaler, internationaler, globaler, historischer und kultureller Perspektive untersucht. Ebenfalls wird das Verhältnis und die Entstehung von hegemonialen und marginalisierten Diskursen analysiert und die damit verbundene Strukturierung von Öffentlichkeiten.
  3. Aufbau- und Vertiefungsmodul „Identitäten, Positionen, Differenzen“
    Dieses Modul befasst sich mit der gesellschaftlichen Positionierung im Spannungsfeld von Geschlecht, Klasse und Ethnizität und setzt zudem den Fokus auf die Historizität dieser Spannungsfelder. Gleichzeitig thematisiert es Macht- und Herrschaftssysteme im Kontext von Geschlecht und Ethnizität und setzt sich mit der Konstituierung und Wirkmächtigkeit von Identitäten, als auch mit den Tendenzen zu ihrer Infragestellung und Auflösung und ihrer Hybridisierung auseinander. Hierbei werden die innergesellschaftlichen und transnationalen Kontexte mitberücksichtigt.

Je nach Profil der anbietenden Hochschule bietet sich die Implementierung eines Praxismoduls an, in dessen Rahmen die Studierenden Berufserfahrungen sammeln können. Denkbar ist ebenso ein eher forschungsorientiertes Empiriemodul, in welchem die Studierenden erste Forschungsprojekte selbstständig durchführen. Zentral ist dabei, dass spätestens innerhalb des Abschlussmoduls die unterschiedlichen Studienerfahrungen wieder zusammengeführt werden – zum Beispiel in Form eines gemeinsamen Kolloquiums –, so dass die Möglichkeiten und Grenzen des interdisziplinären Studienfachs abschließend diskutiert und reflektiert werden können.

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Studienphase:

Die hier genannten Modularisierungsvorschläge beziehen sich vor allem auf Erfahrungen im M.A.-Bereich, können jedoch mit Einschränkungen auch für die Konzeption eines B.A.-Studiengangs genutzt werden.

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