Fach:
Archäologie
Fächergruppe/n: Geisteswissenschaften
Zu den Lernzielen gehören:
Darstellung der einzelnen Fachteile/-gebiete:
Methodische und theoretische Zugänge:
Die Archäologie des Geschlechts ist ein explizit multi- und interdisziplinäres Teilgebiet der Archäologie. Sie profitiert vom multidirektionalen Wissenstransfer und stützt sich auf Methoden der physischen Anthropologie (Bioarchäologie), der Analyse materieller Kultur, der Kunstgeschichte, Geschichtswissenschaft, Kulturanthropologie, Ethnologie und Ethnoarchäologie. Theoretisch ist sie von feministischer Forschung, Gender Studies und Queer-Theorie in Philosophie, Anthropologie, Soziologie und Literaturwissenschaft geprägt. Die Ansätze reichen von evolutionären über poststrukturalistische und Queer-Theorien bis hin zu posthumanistischen Perspektiven. Verschiedene Archäolog*innen unterscheiden zwischen biologischem und soziokulturellem Geschlecht oder betrachten beide als Ergebnis performativer Praktiken, die Geschlechtsunterschiede naturalisieren (beeinflusst durch Judith Butler). Geschlechtertheorien, die Intersexualität und Transsexualität einbeziehen, finden erst seit kurzem Eingang in archäologische Diskurse. Zudem wird das Feld zunehmend durch das Konzept der Intersektionalität (Kimberlé Crenshaw) geprägt, das aufzeigt, dass Unterdrückung auf mehreren Achsen zugleich wirkt.
Handlungs- und Praxisfelder:
Die Archäologie des Geschlechts kritisiert Androzentrismus und Sexismus innerhalb der Archäologie, hinterfragt Stereotype und Geschlechterannahmen und plädiert für Standpunktreflexion, Selbstreflexion und die Anerkennung pluraler Lebensweisen und Erfahrungen. Sie eröffnet unterschiedliche Verständnisse von Geschlecht in vergangenen Gesellschaften und untersucht kritisch die Evidenz für Geschlecht jenseits der Binarität, queere Ausdrucksformen und die Infragestellung sozialer Normen in der Vergangenheit. In den 1990er Jahren inspirierte die Archäologie des Geschlechts die Entstehung einer explizit queeren Archäologie.
Professionsaspekte:
Die Archäologie des Geschlechts setzt sich für Gleichstellung der Geschlechter innerhalb des Berufsfeldes ein. Sie positioniert sich gegen geschlechtsspezifische Lohnunterschiede, Sexismus und Homophobie und untersucht kritisch die Geschichte der Archäologie, insbesondere die Beiträge von Frauen und anderen Minderheiten. Zudem widmet sie sich der Prävention und Bekämpfung von Belästigung und Mobbing innerhalb der Disziplin.
Die Archäologie des Geschlechts kann in verschiedene Altertumswissenschaften integriert werden, etwa in die Ur- und Frühgeschichte, Ägyptologie, Koptologie, Assyriologie, Klassische Archäologie, Römische und Provinzialrömische Archäologie sowie Mittelalterarchäologie. Sie kann sowohl als eigenständiges Modul angeboten werden als auch in bestehende Module wie Funeräre Archäologie, Bioarchäologie, Siedlungsarchäologie, Denkmalpflege und Museologie integriert werden. Obwohl dies häufig vernachlässigt wird, sollte die Archäologie des Geschlechts ein integraler Bestandteil umfassenderer Geschlechterforschung darstellen.
Darstellung konkreter Veranstaltungs- und Modultitel sowie beispielhafter Umsetzungskonzepte:
Bachelor (einführend):
Master (vertiefend):