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Soziologie

Fach: Soziologie
Fächergruppe/n: Gesellschafts- und Sozialwissenschaften

Lehrziele/Studienziele:

Die Studierenden können das Geschlecht in seiner Bedeutung für die Differenzierung und die soziale Ungleichheit von Gesellschaften wahrnehmen und die Modernisierung der Geschlechterverhältnisse in ihrer Relevanz für den gesamtgesellschaftlichen und globalen Wandel analysieren. Sie können Geschlecht in der Vermittlung zu anderen Kategorien sozialer Ungleichheit wie Schicht oder Ethnie erfassen, wobei eine interkulturelle und multidisziplinäre Perspektive angestrebt wird.

Lehrinhalte/fachspezifische Inhalte der Geschlechterforschung:

Die soziologische Geschlechterforschung hat zu einer Reflexion und Weiterführung soziologischer Theorien wesentlich beigetragen, in den Fachsoziologien (u. a. der Arbeits-, Bildungs-, Entwicklungs-, Familien-, Migrations-, Medizin-, Raum- oder Politischen Soziologie und der Sozialstrukturforschung) wichtige neue Ergebnisse gebracht und die Methodenentwicklung befruchtet.

Diese theoretischen und empirischen Ergebnisse sollen exemplarisch vermittelt werden, wobei die Geschlechterforschung in den Fachsoziologien gut auf das soziologische Profil der jeweiligen Einrichtung bezogen werden kann, einmal als expliziter Gegenstand, zum anderen als soziologische Strukturierungskategorie.

Soziologische Theorien und Geschlechterforschung

Eine zentrale Kategorie ist das Geschlechterverhältnis, das auf eine gesellschaftstheoretische Fundierung der Geschlechterbeziehungen und Geschlechterformierungen verweist.

Wesentliche Inhalte des Geschlechts für soziologische Theorien:

  • Klassische soziologische Theorien (Weber, Durkheim, Elias, Frankfurter Schule) thematisieren in unterschiedlicher Form das Geschlecht in der Modernisierung, diese Ansätze wurden weitergeführt für die Analyse der kulturellen und sozialen Strukturen moderner Gesellschaften.
  • In subjektorientierten Handlungstheorien (Beck, Giddens u. a.) werden geschlechtliche Normierung und Differenzierungen zugrunde gelegt und mit anderen Kategorien sozialer Ungleichheit wie Schicht oder Ethnie vermittelt. Auch in der Systemtheorie wird das Geschlecht zum Verständnis der Differenzierung und der Moderne eingeführt. Theorien auf der Mesoebene (Organisation) und Mikroebene (u. a. symbolischer Interaktionismus, Rational Choice) haben durch den Einbezug der Geschlechterfrage an Diagnose- und Erklärungskraft gewonnen.

Empirische Felder

Die Geschlechterforschung hat wesentliche empirische Ergebnisse zu zentralen Fragen moderner Gesellschaften beigetragen; zu nennen sind u. a.:

  • Die Modernisierung von Familien und Beziehungen sowie die Ursachen des demographischen Wandels. Die Geschlechterforschung hat seit Langem die veränderten Selbstentwürfe und Bedürfnisse junger Frauen herausgearbeitet, die Beruf und Kinder vereinbaren wollen, und Reformen in Familie- und Sozialpolitik vorgeschlagen. Ebenso hat sie die widersprüchlichen Reaktionen von Männern zwischen Retraditionalisierung und Neuorientierung betrachtet.
  • Den Wandel von Erwerbsarbeit und Organisationen. Die Globalisierung und der Strukturwandel der Arbeit zu Dienstleistungen und Wissensarbeit bringen neue Chancen, aber auch Risiken der Flexibilisierung mit sich, die im Spannungsverhältnis von Geschlecht, Schicht und Migration verhandelt werden. Der Wandel der Organisationen ist ebenfalls widersprüchlich: Geschlecht wird sowohl neu thematisiert als auch relativiert. Die Verbindung von Makroperspektiven auf Wirtschaftsstrukturen und Arbeitsmarkt und Meso- und Mikroansätze wie das Doing Gender in Organisationen sind besonders interessant.
  • Sozialstrukturell beeinflusste Bildungschancen und Lebensgestaltung: Differenzierung der Bildungsbeteiligung von Frauen und Männern in der allgemeinen, beruflichen und der Weiterbildung. Bildungsbeteiligung und soziale Milieus im internationalen Vergleich. ‚Problemgruppen’ der Bildungsbeteiligung und Bildungschancen für ein lebenslanges Lernen. Bildung als kulturelles Kapital für das private Zusammenleben und berufliche Karrieren. Bildung als Konstituenz für Subjektpotenziale von Frauen und Männern.
  • Die geschlechtliche Strukturierung von Körpern und Gesundheit und die Entwicklung des relevanten modernen Wissens: Das Verständnis von Gesundheit wird geschlechtlich differenziert und der Androzentrismus mit dem „Mann als heimlichem Maßstab” kritisiert, was zu einer Pluralisierung von Körper- und Gesundheitsbildern sowie von Therapien führt. Die interdisziplinäre Forschung unter Beteiligung von Biologie, Medizin und Soziologie erbringt wichtige Erkenntnisse zur biologischen und sozialen Konstruktion von Geschlecht.
  • Nachdrücklich hat die Geschlechterforschung soziale Differenzierungen und soziale Ungleichheiten nach Geschlecht, Schicht und Kultur in ihrem Wechselverhältnis herausgearbeitet. Dazu hat sie strukturtheoretische Ansätze weitergeführt (wie in der doppelten oder dreifachen Vergesellschaftung in die Familie, den Arbeitsmarkt und den Nationalstaat); aber sie hat auch die soziale Konstruktion dieser Ungleichheiten im alltäglichen Wissen erschlossen und dazu kulturelle Diskurse und Legitimationen von Ungleichheit einbezogen.
  • Die Veränderungen in den geschlechtlichen Machtverhältnissen und der politischen Partizipation, wobei der Einfluss von Frauenbewegungen und die moderne Geschlechterpolitik wesentliche Faktoren bilden.
  • Interpersonale und kollektive Gewalt und die Bedingungen von sozialem Frieden. Die Geschlechterforschung hat die Dichotomie zwischen öffentlicher und privater Gewalt überwunden und verschiedene Formen personaler, kollektiver oder militärischer Gewalt in ihrem Wechselverhältnis untersucht. Sie fragt nach institutionellen und personalen Ursachen dieser Formen und ihrer Reproduktion und hat Konzepte zu sozialer Friedfertigkeit und Gewaltfreiheit entwickelt.
  • Die Einwirkungen der Globalisierung auf die Modernisierung der Geschlechterverhältnisse in vergleichender Perspektive: Eine Vielzahl von Studien hat diese Wechselwirkungen beleuchtet und erwiesen, dass die Geschlechterperspektive wesentlich für das Verständnis der Globalisierung und für Zugänge zu Global Governance ist.

Methodische Kompetenzen

Die Geschlechterforschung hat keine spezifischen Methoden allein für ihren Bereich konzipiert und hat sich in der Diskussion und Entwicklung quantitativer und qualitativer Methoden stark engagiert. Deswegen ist eine Integration in Modulen zu soziologischen Methoden sinnvoll.

Auch bei Lehrforschungen u. a. zu den obigen Themen können diese Ansätze einbezogen werden.

Formen der Integration der Inhalte der Geschlechterforschung in das Curriculum:

Eine Integration von Gender-Inhalten ist in drei Formen sinnvoll:

  1. Ein eigenes Gender-Modul ist sinnvoll a) in der Eingangsphase unter den theoretischen oder empirischen Vertiefungen (BA) zur allgemeinen fachlichen Ausbildung oder b) im Rahmen einer Spezialisierung auf Gender im fortgeschrittenen BA oder im MA, wobei dann evtl. mehrere Module angeboten werden (vgl. MA Geschlechterforschung an den Universitäten Bielefeld und Bochum).
  2. Eine Gender-Veranstaltung im Rahmen bestimmter Module (d. h. als eine unter mehreren aufeinander abgestimmten Veranstaltungen) dient dazu, Gender-Aspekte zu einem bestimmten Themenfeld zu behandeln. Bei den oben benannten Thematiken lässt sich diese Möglichkeit vom Forschungsstand her leicht realisieren, z. B. Veranstaltungen zu „Demographie und Geschlecht”, „Modernisierung von Elternschaft und das moderne Mutterbild”, „Geschlecht und Organisationswandel”, „Gesundheit und Geschlecht: ExpertInnen- und PatientInnenwissen”; „Die soziale Konstruktion von Körpern und Geschlecht”; „Differenzierungen der Sozialstruktur: Geschlecht, Klasse, Migration”; „Gewalt im Geschlechterverhältnis: Befunde, Prävention und Intervention”; „Partizipation und Geschlecht: Politischer Wandel und Frauenbewegungen”; „Globalisierung und Geschlecht in Kommunikation, Politik und Wirtschaft”.
  3. Als Wahlfach im Diplom-Studiengang Erziehungswissenschaft (vgl. Universität Dortmund).

Studienphase:

Je nach Form des Moduls (s. o.) und der Intention:

Als Teil der allgemeinen fachlichen Ausbildung sollten Gender-Inhalte im BA in den Eingangsstufen integriert werden, zur Vertiefung in der fortgeschrittenen BA-Phase oder im MA-Studiengang.

Schlagworte:

Soziologie, Didaktik der Sozialkunde, Geschlechterstudien, Sozialwissenschaften, Soziologie technikwissenschaftlicher Richtung, Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation, History/Philosophy and Sociology of Science, Politik/Wirtschaft und Gesellschaft, Sozialpsychologie, Sozialanthropologie, Sozialwissenschaft, Integrated Social Sciences, Global Governance and Social Theory, Sozialpolitikforschung, Europäische Integration, Praktische Sozialwissenschaft, Staatswissenschaften, Didaktik der Sozialkunde, Entwicklungszusammenarbeit, Intercultural Communication, European Studies, Politik und Organisation, Interkulturelle Europa- und Amerikastudien, Sinologie, Angewandte Ethik, Labour Policies and Globalisation, Volkswirtschaftslehre, empirische Kulturwissenschaft